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Jakob Hirzel über sich, die Steinzeit und die Zivilisation

Als ich im Jahre 1988 die Kurse für steinzeitliche überlebenstechniken ins Leben rief, lachten die Menschen gelegentlich laut heraus, denen ich davon erzählte. So etwas Verrücktes hatten sie schon lange nicht mehr gehört.

Ich hängte in der Stadt Zürich 500 Plakate auf, auf denen ich meinen ersten Feuerbohrkurs anpries. Ein Manager-Ehepaar, dem ich davon erzählte, meinte:"Wir sind überzeugt, dass sie da gar niemand anmelden wird, gar niemand."

Sie hatten fast recht, aber nicht ganz. Eine einzige Person meldete sich an. Wir suchten im nassen Wald das fürs Feuerbohren geeignete, ganz trockene Holz, schnitzten Feuerbohrsets und bohrten, bis es klappte. Das war der Anfang. Ich wusste nicht, was mich am einfachen Leben in der Natur und an der Steinzeit so anzog. Aber es war wie ein Magnet.

Während einer Survivalwoche, die ich einmal leitete, tauchte ein Journalist auf und fragte uns, ob wir Masochisten seien. Ich konnte die Frage damals nicht mit Sicherheit beantworten. Denn es war ja tatsächlich nicht einfach angenehm, ohne Schlafsack in einer kleinen Notunterkunft zu übernachten und bloss von ein paar Wildpflanzen, Pilzen und Grassamen zu leben. Und doch ging es auch in dieser Woche erstaunlich tief, das Erlebnis. Als ich gar nichts mehr hatte, also gar nichts Materielles, das in der Zivilisation von so grosser Bedeutung ist, fühlte ich mich zufriedener, als in der Zivilisation, in der ich alles hatte. Ein seltsamer Widerspruch, den ich erst mit den Jahren langsam zu entschlüsseln vermochte. Mehr dazu unter Anregungen zur Selbsterfahrung.

Ich fing an, mein Angebot auszubauen und freute mich sehr darüber, als ich irgendwann den ersten ganzen Sommer Kurse leiten konnte. Wenn es damals schon Handys gegeben hätte, wäre ich vermutlich in ein Zelt gezogen und hätte die Menschen einfach gegen ein paar Naturalien in Urzeittechniken ausgebildet. Doch wie hätten die Leute überhaupt von meinem Angebot erfahren? Ich musste etwas Werbung machen, brauchte ein Büro und die Kunden erwarteten Material und Ausrüstung. So entschloss ich mich für ein Leben zwischen Urzeit und Zivilisation.

Acht Sommer lang lebte ich in Zelten in der freien Natur und zeigte Menschen die Urzeit. Ich wünschte mir immer, dass meine Kursteilnehmer so tief berührt würden, wie die Natur mich berührt hatte. Manchmal stellte sich bei ihnen tiefes Staunen ein, sprachloses Dasein. Das freute mich.

Nach acht Jahren in der Natur war meine Seele gesättigt und plötzlich entdeckte ich die Zivilisation. Ich wurde von zivilisatorischem Wissensdurst erfasst, landete noch einmal als Student an einer Universität und schloss bald mein zweites Studium ab.

Ich bildete junge LeiterInnen , die fortan die Kurse und Erlebnisprojekte leiteten.

Ich selber erforsche aber auch heute noch immer gerne neue Techniken. Das befriedigt meine Neugier und meinen Spieltrieb und ich empfinde dabei eine unbeschwerte Freude und Wärme. Ich mag die Berührung und den Kontakt zu den natürlichen Materialien und es ist immer wieder eine Art kleines Wunder zu erleben, was meine blossen Hände zu schaffen vermögen. Ich hoffe, wir können damit viele junge und alte Seelen berühren.