Ueber uns/ Kontakt

Sich selbst begegnen in der Einsamkeit

In allen Kulturen hat es immer wieder Menschen gegeben, die die Einsamkeit in der Natur gesucht und während ihren Aufenthalten in der Natur gefastet haben.

Vielleicht bist du einer dieser Menschen, die so ein Aufenthalt in der Natur anzieht. Du musst nicht genau wissen, warum dich das anzieht. Es genügt, dass es so ist. Warum folgst du deiner inneren Stimme nicht einfach?

Ich möchte dir hier ein paar Anregungen geben, wie du so etwas anpacken könntest.

4 Tage/ 4 Nächte

Eine ganz einfache Uebung wäre, wenn du 4 Tage und 4 Nächte alleine in der Natur verbringen würdest. Das ist etwas mehr als eine halbe Woche.

Ziel

Das Ziel ist nur, 4 Tage lang dranzubleiben und zu erleben.

Ort

Du suchst einen ruhigen Ort, den du vor deinem Fastenaufenthalt einmal auskundschaftest und der dir gut scheint. Denk daran, dass es winden und regnen kann. Wähle einen geschützten Ort, eher im Waldesinnern als am Waldrand, eher eine Senke als eine Krete, eher flaches Gelände als einen steilen Hang. Such nicht zu lange. Dein Herz wird dir sagen, wo's richtig ist. Wenn du den Ort gefunden hast, setz dich hin und lass die Umgebung etwas auf dich wirken. Stell dir vor, wie du dort bald einmal ein paar Tage ganz alleine verbringen wirst. Beobachte, was mit dir dabei geschieht.

Teile jemandem mit, wo du sein wirst für ein paar Tage und wann du zurückommen wirst.

Ausrüstung

Nimm einen guten Schlafsack, ein Isoliermättchen von mindest 1.5cm Dicke und wenigstens eine kleine Plane und ein paar Meter Schnur mit. So kannst du die Plane dann je nach Wetterlage höher oder tiefer spannen.
Du kannst auch ein Zelt mitnehmen. Doch die Zeltwände trennen dich etwas von der Natur. Aber du kannst ja jederzeit auch hinausgehen.

Wasser

Nimm 12 Liter ganz normales Wasser mit, z.B. abgefüllt in 9 Petflaschen, 3 Liter für jeden Tag.

Lebensmittel

Du brauchst nichts. Dein Körper hat mehr als genug Fettreserven, auch wenn du recht schlank sein solltest. Du wirst auch kaum abnehmen während der vier Tage.

Zeitplan

Schau, dass du um die Mittagszeit an deinem Oertchen bist, so dass du vor dem Eindunkeln genügend Zeit hast, um alles einzurichten.

Aktivitäten

Es gibt keine fixe Regel, was erlaubt sein soll und was nicht. Die reinste Form wäre, dass du 4 Tage und 4 Nächte lang nur einfach dasitzen, Wasser trinken, pinkeln und schlafen würdest. Nichts anderes.
Erwarte am besten nichts von dieser Zeit, sondern lasse einfach geschehen, was mit dir geschehen will. Falls du in emotionale Täler kommen solltest, erlebe, dass es auch wieder hinaufgeht. In einem Tal kann es helfen, wenn du einen halben Liter Wasser trinkst.

Vielleicht möchtest du ein Feuer machen. Ein Feuer ist ein gutes Symbol für das, was mit dir abläuft. Schau die Aeste an, wenn sie verbrennen. Sie scheinen einerseits immer gleich, andererseits "schmelzen" sie jedoch langsam dahin im Verbrennungsprozess.

Du kannst dir überlegen, ob du gelegentlich etwas spazieren gehen möchtest. Für das, was mit dir geschehen will, ist es vermutlich am besten, wenn du auf deinen Ausflügen keinen andern Menschen begegnest. Aber wenn es geschehen sollte, ist es auch nicht tragisch.

Einzelne nehmen etwas zum Lesen mit. Das mag dir angenehm erscheinen, doch vermutlich wird es das, was mit dir geschehen will, abschwächen, da das Lesen die Aufmerksamkeit ablenkt.

Meditation

Wenn du so viel Zeit hast, zieht dich vielleicht der Gedanke an, zu meditieren. So möchte ich dir hier eine Kurzanleitung geben.

1. Normalerweise sitzt man beim Meditieren, da man so nicht einschläft und aufmerksam bleibt. Aber du kannst auch einmal liegen. Mach, was dir gut tut.

2. Richte deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem. Die einen empfehlen, darauf zu achten, wie der Bauch sich bewegt beim Atmen, die andern richten die Aufmerksamkeit auf den Atem, wie er bei der Nasenspitze ein- und ausgeht. Ich vermute, die Nasenspitzengeschichte ist besser. Nun versuchst du einfach, nur noch auf deinen Atem zu achten.

3. Es ist nun ganz normal, dass deine Gedanken abschweifen werden. Doch irgendwann wirst du merken, dass du ja am Meditieren bist. Reg dich nicht auf, dass du abgeschweift bist. Beobachte einfach wieder deinen Atem. MIt der Zeit, wirst du konzentrierter werden. Das Abdriften in Gedanken wird zumindest während gewissen Zeiten zurückgehen. Wenn du nun fokussiert bist, beobachtest du einerseits deinen Atem und andererseits, was in dir abläuft.

4. Du wirst nun Gedanken und Gefühle mehr beobachten als von ihnen weggetragen zu werden. Nun versuche einfach anzunehmen und zu akzeptieren, was da so alles in dir aufsteigt. Betrachte deine inneren Bewegungen einfach und das was dahinter und darunter auftaucht. Vor deinen Augen wird sich vieles mit der Zeit einfach auflösen. Wenn etwas immer wieder kommen sollte, dürfte die Geschichte entweder etwas mit Angst oder mit Gier zu tun haben. Wenn Angst oder Gier kommt, lass diese Gefühle einfach zu und beobachte sie.

5. Wie merkst du, dass du auf dem richtigen Weg bist? Wenn du mit der Zeit oder zwischendrin in einen Zustand kommst, in dem du dich leicht und zufrieden ohne Grund (!) fühlst.

Rückkehr

Was auch immer du erleben wirst; es ist sehr wahrscheinlich, dass deine Freunde und Verwandten nur zum Teil nachvollziehen werden können, was du erlebt hast.. Das ist normal.

Integration des Erlebten in den Alltag

Vielleicht wirst du während deinem Fastenaufenthalt in der Natur einen Zustand erlebt haben, der dich tief erfüllt hat. Doch im Alltag kann das alles sehr schnell wieder verschwinden. Wie könntest du das Erlebte im Alltag immer wieder neu zum Leben erwecken? Erinnern bringt nur ein bisschen etwas, da Erinnerungen an deinen Fastenaufenthalt eben Erinnerungen sind, etwas, das zurückliegt und nicht jetzt in diesem Moment stattfindet. Was also könntest du machen?

Ich glaube, das Beste ist Meditation. Da kann im Kleinen geschehen, was du in der Natur etwas intensiver oder sehr intensiv erlebt hast.

Und nochmals hinaus gehen

Es ist gut möglich, dass du nach ein paar Monaten oder Jahren das Bedürfnis verspüren wirst, wieder hinauszugehen und zu fasten. Es wird jedes Mal etwas anders sein. Lass dich überraschen!

Bücher zum Thema Meditation

Eckart Tolle; Leben im Jetzt
William Hart; Die Kunst des Lebens; Vipassana-Meditation nach S.N. Goenka
Willigis Jäger; Die Welle ist das Meer

Austausch

Wir von Lenaia sind interessiert daran, zu hören, was du da draussen erlebt hast.

Variation: 24 Stunden ganz alleine in der Natur

Wenn dir 4 Tage und 4 Nächte zuviel sind, kannst du auch einfach einmal 24 Stunden ganz alleine in der Natur verbringen.

Möglich ist auch einfach eine Stunde: Du sitzest an einem ruhigen Ort und schaust, was mit dir geschieht.