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Experimentelle Archäologie

Mensch und Rad

 

Steinzeitliche Funde lassen vieles erahnen. Doch immer bleiben Fragezeichen. Die experimentelle Archäologie erweckt die Steinzeit deshalb in der Neuzeit wieder zum Leben. Sie rekonstruiert Steinzeitliches und vergleicht die Rekonstruktionen dann mit den Funden. So versucht die experimentelle Archäologie, die Frage zu beantworten, ob unsere Vorfahren wohl genau so lebten und bei ihrem alltäglichen Handwerk so vorgingen, wie wir es vermuten. Experimentelle Archäologen bauen z.B. Pfeilspitzen nach, schiessen mit den rekonstruierten Pfeilen auf verschiedene Ziele und vergleichen darauf die beschädigten Pfeilspitzen mit beschädigten Pfeilspitzen aus archäologischen Ausgrabungen. Aus diesem Vergleich fliessen wichtige Erkenntnisse und meist auch neue Fragen.

Steinzeitvölker, primitive Technik

Steinzeit bezeichnet eine Periode der Menschheitsgeschichte, in der die effektivsten Werkzeuge aus Stein gefertigt wurden. Sie dauerte bis zur Entdeckung von Metall als Werkstoff, also bis zum Beginn der Bronzezeit.
Viele Völker dieser Erde lebten jedoch noch einiges länger in der Steinzeit: die Indianer Nordamerikas, die Aborigines, zahlreiche Urwaldvölker oder die Eskimos. Ihr Wissen ist für uns Zivilisierte, die in der Praktizierung naturnahen Handwerks Zufriedenheit und Ganzheit finden, von grosser Bedeutung. Die meisten Inputs und Anregungen zur experimentellen Archäologie kommen denn auch von solchen Urvölkern. Speerschleudern beispielsweise wären in unseren Breitengraden undenkbar, wenn man nicht die Speerschleudern der Aborigines gesehen hätte und aufgrund dieser Betrachtung gemerkt hätte, dass steinzeitliche Funde aus unserer Gegend mit grosser Wahrscheinlichkeit Bestandteile von Speerschleudern waren.
Auch die Pfeilspitzen der nordamerikanischen Indianer sind den Pfeilspitzen unserer Vorfahren am Zürichsee sehr ähnlich. Es zeichnet sich immer mehr ab, dass die Steinzeit, wo auch immer auf dieser Welt, zur Entwicklung und Beherrschung sehr ähnlicher, oftmals praktisch identischer Techniken geführt hat. Es gibt aber auch Unterschiede,, für die zu einem grossen Teil unterschiedliche Lebensbedingungen (Klima, Pflanzen, Topografie) verantwortlich sind. Aus diesem Fundus an Wissen schöpfen wir, wenn wir Feuerbohrtechniken weiterentwickeln, Feuerstein bearbeiten, Bögen schnitzen oder Töpfe brennen.
Alle ganz ursprüngliche Technik kann man unter dem Begriff primitive Technik zusammenfassen. Diese Technik ist jedoch bei genauerer Betrachtung oftmals nicht so primitiv, wie das Wort primitiv suggerieren mag. So konnten unsere Vorfahren beispielsweise aus grossen Feuersteinbrocken eine 40cm lange und 2 cm breite Stein-Klinge nach der andern schlagen, wobei keine einzige in die Brüche ging. Alle diese Klingen kann man wieder zusammensetzen und daraus den ursprünglichen Stein zusammensetzen. Das kann im Moment auf der ganzen Welt niemand mehr, selbst unter Anwendung aller modernen technischen Hilfsmittel. Es scheint, dass es auch in der Steinzeit schon Einsteins gab.

Vorgehen

Wie geht man vor, wenn man eine urzeitliche Technik zum Leben erwecken will? Zu Beginn stehen meistens spielerische, von der Freude am Erlebnis motivierte Versuche. Man sieht, liest oder hört etwas und probiert es dann einmal selber. Mit der Zeit wird man besser, doch es tauchen auch Fragen auf. Nun fängt man an zu lesen, herumzufragen und alle möglichen Informationen zum Thema zu sammeln. Wieder probiert und pröbelt man und kommt langsam immer weiter.

Unter "Birkenpech" haben wir etwas ausführlicher dargestellt, wie so ein Vorgehen in etwa aussehen kann und welche Fragen einem dabei wie beschäftigen.

Wissens-Quellen

Die schriftlichen Quellen zu ursprünglichem Handwerk umfassen Survival-Literatur, historische und ethnologische Berichte, Berichte und Aufzeichnungen über Ausgrabungen, Nachschlagewerke, Internet.

Archäologische Funde und Gegenstände von bis in die Gegenwart lebenen Völkern bieten dreidimensionales Anschauungsmaterial.
Sehr wertvoll sind auch direkte Begegnungen mit Menschen von Urvölkern, die einzelne Techniken im Alltag anwenden oder zumindest aus ihrer Kindheit noch kennen und einem vermitteln können. Hier muss man genau beobachten und allen Details Aufmerksamkeit schenken können. Je mehr man schon weiss und kann, desto genauer kann schauen.

Werkstatt/ Bibliothek/ Erfahrung

Wir haben eine Werkstatt mit allen möglichen Spezialwerkzeugen und einem abwechslungsreichen Materiallager. Zudem sammeln wir alle mögliche Literatur zum Thema. In den letzten Jahren haben wir eine ganze Reihe von Versuchen zu ursprünglichem Handwerk angestellt. So könnten wir für dich auch ein interessanter Gesprächspartner sein.

Dein Mitwirken: Ein paar Tage/ Praktikum/ Bildungsurlaub

Du hast die Möglichkeit, bei einzelnen unserer Forschungsprojekte mitzuwirken oder ein eigenes Forschungsprojekt mit uns zusammen auf die Beine zu stellen und an dem dann zu arbeiten. Setz dich doch mit uns einfach einmal in Verbindung.

Motivation

Was motiviert Zivilisierte eigentlich, ursprüngliches Handwerk zu erforschen?
Spieltrieb, Neugier, Naturnähe, Abschalten, Distanz zur komplexen Gegenwart, Sinnesnahrung?

 

Natur, Mensch und Technik sind eine untrennbare Einheit. Ein Mensch ohne Technik ist undenkbar. Einfacher und naturnaher als ein Steinzeitmensch kann ein Mensch nicht leben. Das Leben auf dem Niveau eines Steinzeitmenschen ist als das Ursprünglichste, das wir heute noch erleben können. Diesen Ursprung zu entdecken und zu erleben. Das fasziniert.

 

Wo kommen wir her? Wofür sind unsere Sinne eigentlich gemacht? Weshalb bilden wir Fettreserven? Was hat es mit der Telepathie auf sich? wie könnte ich überleben, wenn ich ganz alleine irgendwo ausgesetzt wäre? All das und vieles mehr, das uns Tag für Tag beschäftigt, hat mehr mit unserem Ursprung zu tun als mit unserer Gegenwart. Deshalb zieht er uns an wie ein Magnet.

Eine Kultur ohne lebendigen, d.h. erlebten Bezug, zu ihrem Ursprung ist wie ein Baum ohne Wurzeln. Die Erforschung primitiven Handwerks öffnet die Tore zu diesem Erleben. Je weiter entwickelt eine Kultur ist, desto wichtiger wird dieses Erleben des Ursprünglichen.