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Blick in die Zukunft: Die innere Steinzeit als Ankerpunkt für Erkenntnisse über die zivilisatorische Gegenwart

Die Faszination des Ursprünglichen Die Menschen der westlichen Zivilisation werden je länger je mehr vom Ursprünglichen fasziniert. Sie bauen Steinzeitliches nach, probieren Steinzeitliches aus, oder leben für eine gewisse Zeit wie Steinzeitmenschen. Was fasziniert sie? Was zieht sie an?
Im Moment liegt der Fokus noch oft auf dem Technischen, auf durchaus wichtigen Fragen wie z.B.: Wie machte man ein Feuer? Wie fertigte man ein Messer? Oder: Wieviel musste ein Steinzeitmensch arbeiten?Der künftige Fokus: die inneren Prozesse Ich vermute jedoch, dass der Fokus sich je länger je mehr in eine andere Richtung bewegen wird. Die wesentliche Frage für uns dürfte bald einmal lauten: Was geschieht im Inneren, im Seelischen, im Emotionalen und im Gehirn eines modernen Menschen, wenn er längere Zeit wie ein Steinzeitmensch lebt? Was wächst, was kommt hervor in einem zivilisierten Menschen, wenn er sich längere Zeit in der Natur aufhält und wie ein Steinzeitmensch nur von dem lebt, was ihm die Natur zur Verfügung stellt? Denn da passiert etwas. Das ist ganz klar. Doch was passiert da genau und was können wir daraus lernen?

Unsere Gene - unsere Kultur

Unsere Gene unterscheiden sich von denen eines Jungsteinzeitmenschen praktisch nicht. Genetisch betrachtet, sind wir mit grösster Wahrscheinlichkeit noch Steinzeitmenschen. Nur unser Umfeld hat sich verändert: das materielle Umfeld (Pflanzen, Häuser, Strassen, fliessend Wasser, Nahrung im Ueberfluss) und das kulturelle Umfeld (Sprache, Werte, Erziehung, Institutionen, Indivualismus). Immer wieder werden verschiedene Therorien damit begründet, dass diese oder jene menschliche Eigenschaft eben so oder anders sei aufgrund unserer steinzeitlichen Gene.
Oftmals hört man auch den Spruch: "Das ist ja wie in der Steinzeit." Doch wenn wir ehrlich sind, wissen wir doch gar nicht, wie die Menschen waren in dieser Steinzeit. Waren sie superfriedlich oder superfeindlich, oder beides oder etwas ganz anderes? Natürlich hatten auch die Steinzeitmenschen einen kulturellen Hintergrund, vor dem sie aufwuchsen. Insofern werden wir nie ganz genau wissen, wie es in ihnen drin aussah.

Der moderne Mensch in der Steinzeit

Was wir aber herausfinden können, ist, was mit modernen zivilisierten Menschen passiert - und da passiert eindeutig etwas im Inneren -, wenn sie längere Zeit, z.B. 2 Jahre lang wie Altsteinzeitmenschen oder Jungsteinzeitmenschen leben. Was passiert da mit einem modernen Menschen, wenn er in einer kleinen Sippe längere Zeit im ursprünglichsten Zustand lebt? Was für zivilisatorische Werte verblassen oder lösen sich gar auf, was für Werte gewinnen an Bedeutung? Wir werden im Inneren nicht ganz zurück in die Steinzeit können, da unsere Kultur uns geprägt hat. Doch eine solche Versuchs-Sippe würde sich verändern: vielleicht kaum oder nur ganz unwesentlich, vielleicht aber auch ganz stark und offensichtlich. Alle diese Veränderungen und Prozesse, insbesondere auch das, was im Inneren abläuft, könnte man anhand von Interviews beobachten und aufzeichnen. Was sagt ein Teilnehmer nach 24 Stunden, was nach 6 Monaten, was nach 18 Monaten? Was erlebt er im Winter, was im Frühling, was im Sommer und was im Herbst? Was für einen Einfluss haben alle diese Erlebnisse auf seine Weltanschauung, auf sein Innenleben.Ich denke, dass der Einstieg in so ein Projekt aus vielen kleinen Schritten bestehen müsste. Zuerst müssten die künftigen Teilnehmer all die Techniken erlernen, sich intensiv mit der Materie auseinandersetzen und vor allem auch im Kleinen ganz viele praktische Erfahrungen sammeln und lernen, mit dem umzugehen, was in ihrem Inneren abläuft.. Denn sonst wären sie vermutlich über kurz oder lang mit den Anforderungen des Experimentes überfordert. Bereits in dieser Phase müssten die Interviews und Aufzeichnungen begonnen werden.

Teilnehmende Beobachtung

Zudem sollten die beobachtenden Wissenschafter selber auch Teilnehmer sein, damit sie auch auf der Ebene des Erlebens nachvollziehen könnten, was da allenfalls im Inneren abgeht. Ideal wäre vermutlich, wenn sich von jeder Wissenschaftskategorie (Medizin, Psychologie, Ethnologie, Soziologie, Recht, Oekonomie, Oekologie) mindestens ein Teilnehmer finden würde, der selber am Experiment teilnehmen und ein Beobachter, der das Geschehen nur von aussen beobachten würde, als weiterhin voll in der Zivilisation verwurzelter.

Ausgangspunkt für die Reflexion: die innere Steinzeit

Ich vermute, dass aus dem Vergleich der inneren Realität vor und während dem Versuch interessante Erkenntnisse gewonnen werden könnten, die uns zeigen würden, was unsere Zivilisation heute eigentlich ist. Der Vergleich würde uns also befähigen, uns selbst im Hier und Jetzt klarer zu erkennen. Die beobachtere Realtiät während dem Experiment wäre so etwas wie ein Ankerpunkt, oder ein Hügel, von dem aus man die zivilisatorische Realität sozusagen aus der Distanz betrachten könnte. Wir würden danach z.B. besser verstehen, was nun tatsächlich steinzeitliche Natur ist und was eben vor allem kulturell bedingt ist.

Ich könnte mir vorstellen, dass aus all diesen Beobachtungen und Vergleichen durchaus etwas humanwissenschaftliche "Post" abgehen könnte. Ich vermute, wir würden nicht nur eine ganze Ladung Ansichten über die Steinzeit und die menschliche "Natur" revidieren müssen, sondern auch einige fundamentale Annahmen bezüglich der Grundfesten unserer (nach heutigen Ansichten) hoch entwickelten gegenwärtigen zivilisatorischen Kultur.

Warum Steinzeit?

Das Leben auf dem technischen Niveau eines Steinzeitmenschen ist die ursprünglichste und naturnachste Lebensweise, die ein heutiger Mensch noch wählen kann. Hätten wir noch einen Pelz, könnten wir zwischendrin wie Tiere leben. Aber wir werden weitestgehend nackt geboren. So brauchen wir Kleidung. Und Kleidung zu fertigten, heisst Technik anzuwenden. Wenn wir uns also in unserem Urzustand erleben möchten, können wir nur zurück bis aufs Niveau eines Steinzeitmenschen.