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Birkenpech

Birkenpechgewinnung nur mit Steinen

 

1995/1996 Birkenpechgewinnung nur mit Steinen

 

Bikenpech ist einer der ältesten Klebstoffe der Menschheit. Er wird aus Birkenrinde gewonnen und dient als Klebstoff und Kitt. Er wird z.B. verwendet, um Federn auf Pfeilschäfte zu kleben, Pfeilspitzen auf Pfeile aufzusetzen und um Feuersteinklingen in Holzgriffe einzupassen und darin festzuhalten.

Überblick

Zuerst eine Unterscheidung. Es gibt einen grossen Unterschied zwischen Birkenpech, das aus Birkenholz hergestellt wird und Birkenpech, das nur aus Birkenrinde hergestellt wird. Nur das Birkenpech aus Birkenrinde klebt.

Im MIttelalter wurde Birken-Holz-Pech hergestellt, im sogenannten Doppeltopfverfahren.

In den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde in einem Labor erstmals seit der Steinzeit wieder Birken-Rinden-Pech hergestellt.

Jürgen Weiner, ein Experimentalarchäologe, hat in den 80-er Jahren in einer einfachen Blechbüchse Birken-Rinden-Pech hergestellt.

Kurzweil/Todtenhaupt, zwei Experimentalarchäologen, haben Ende der 80-er Jahre das mittelalterliche Doppeltopfverfahren nachgeahmt und so Birken-Holz-Teer hergestellt.

Unser Beitrag war dann, dass wir anfangs der 90-er-Jahre als Erste im Doppeltopfverfahren reines Birken-Rinden-Pech hergestellt und dabei festgestellt haben, dass dieses Verfahren weit leichter kontrollierbar ist als das Herstellen von Birkenrindenpech in einem einzelnen Gefäss.

Kurweil/Todtenhaupt haben unterdessen mit Teermeilern experimentiert, um sich schliesslich wieder dem Doppeltopf-Verfahren zuzuwenden.

Funde

 

Werner H. Schoch, der das Labor für quartäre Hölzer zur Analyse von Holzfunden betreibt, hat zu Beginn der 90-er Jahre an 35 untersuchten steinzeitlichen Funden Birken-Rinden-Pech bei allen Objekten nachgewiesen ( Schoch, W. H., 1995: Analysis of plant glue from the stone and bronze ages. International Work Group for Palaeoethnobotany, Proceedings of the 9th Symposium Kiel 1992. Res archaeobotanicae. Edited by H. Kroll & R. Pasternak, pp. 301-308, www.woodanatomy.eu).

Es liegen Birkenrindenpechfunde aus der MIttelsteinzeit und zahlreiche aus der Jungsteinzeit vor.

Heute stellen die meisten Experimentalarchäologen Birkenpech her mit Töpfen. Es stellt sich allerdings die Frage, ob unsere steinzeitlichen Vorfahren das auch so machten. Denn man findet in jungsteinzeitlichen Siedlungen immer wieder Birken-Rinden-Pech, doch gar keine Töpfe, die Spuren aufweisen, die darauf hindeuten, dass diese Töpfe zur Gewinnung von Birkenpech verwendet wurden.

Dieser Umstand veranlasste Jürgen Weiner zur provokativen Frage: "Wo sind die Retorten (Töpfe)?" Wenn unsere Vorfahren es mit Töpfen hergestellt haben: Warum findet man keine solchen Töpfe?


Fragestellung

 

Wenn man keine Retorten findet, könnte das ein Hinweis sein, dass unsere Vorfahren in der Steinzeit ein anderes Verfahren kannten, mit dem sie Birken-Rinden-Pech herstellten. Oder aber sie verwendeten Töpfe und machten das in einem leicht abgewandelten Verfahren als dem heutigen, so dass keine Spuren zurückblieben.

1. Gehen wir einmal davon aus, dass sie ein anderes Verfahren kannten. Dieses Verfahren müsste folgender Ungleichung genügen:


Gewnn/ Aufwand mit anderem Verfahren > Gewinn/Aufwand mit Töpfen

 

2. Es wäre aber auch denkbar, dass unsere steinzeitlichen Vorfahren zwar Töpfe verwendeten, jedoch in einem leicht abgewandelten Verfahren, bei dem keine Spuren zurückbleiben. Das wäre z.B. der Fall, wenn sie ungebrannte Töpfe verwendet hätten. Denn auch ungebrannte Töpfe eignen sich für die Birken-Rinden-Pech-Gewinnung. Sie zerfallen allerdings wieder, wenn sie mit Wasser in Kontakt kommen, da sie nicht gebrannt sind. Werden diese Töpfe denn nicht gleich gebrannt, wenn sie im Feuer sind? Nicht unbedingt. Denn Birkenrinde verwandelt sich bereits bei ca. 300 Grad Celsius in Pech, während Ton erst bei ca. 550Grad Celsius gebrannt wird.

Wenn die Steinzeitmenschen ungebrannte Töpfe verwendeten, müsste dieses Verfahren folgender Ungleichung genügen:


Gewinn/Aufwand mit ungebrannten Töpfen > Gewinn/Aufwand mit gebrannten Töpfen

Bilder

Birkenpech Original

ca. 4000 v.Chr. Birkenpech-Fund. Danke an Zürcher Denkmalpflege für die Möglichkeit, diesen Mocken zu fotografieren!

 

Birkenpech hart

 

1994/ 1995 Birkenpech hart

 

Birkenpech Doppeltopfverfahren

 

1994-1996 Birkenpechgewinnung

 

Birkenpech Bombe

 

1996 Birkenpech-"Bombe"

 

Birkenpech Reihenversuche

 

1996-2003 Reihenversuche

 

Birkenpech Reihenversuche

 

1996-2003 Reihenversuche

 

Birkenpech Reihenversuche

 

1996-2003 Reihenversuche

 

Birkenpech Reihenversuche

 

1996-2003 Reihenversuche

 

Birkenpechgewinnung nur mit Steinen

 

1995/1996 Birkenpechgewinnung nur mit Steinen

 

Birkenpechgewinnung nur mit Steinen

 

1995/1996 Birkenpechgewinnung nur mit Steinen